Dienstag, November 18, 2008

Unser neuer Internetauftritt

Der Blog der Löwen-Apotheke hat eine neue Adresse und wurde vollkommen überarbeitet und aktualisiert!

http://loewenapothekebederkesa.wordpress.com

Viel Spaß beim Lesen!

Jens Christian Heuer

Donnerstag, Mai 29, 2008

Aktionen

Venenmesswoche

Lassen Sie bei uns Ihre Venen checken –
vom 02. Juni 2008 – 06. Juni 2008
Wir bieten für alle Interessierten während dieser Zeit an, die Funktion der oberflächlichen Venen zu testen. Der Test dauert mit Vorbereitung und Besprechung des Ergebnisses ca. 10-15 Minuten. Bitte melden Sie sich vorher an, um Wartezeiten zu vermeiden: Tel. 04745/325. Die Messung erfolgt mittels LRR – Messsystem (=Licht- Reflektions Rheografie). Dabei wird auf photometrische Weise (Photometrie=Lichtmessung) die Veränderung des Blutvolumens in den oberflächlichen Venen gemessen. Jeder Kunde bekommt für sich sein Messprotokoll, das er seinem Arzt beim nächsten Besuch vorlegen kann.

Müde, schwere Beine und geschwollene Knöchel oder sichtbare Venenveränderungen:
Das kann Ausdruck einer Venenschwäche (medizinisch: primäre Varikosis) sein. Durch Veränderungen ihrer Struktur werden die Venen schlaff, können sich ausweiten und die in den Venen als kleine Ventile vorhandenen Venenklappen schließen nicht mehr effektiv.

Venenschwäche, Krampfadern
Dann kann das sauerstoffarme „verbrauchte“ Blut nicht mehr leicht zum Herzen zurückfließen. Der Blutstau übt Druck auf die Gefäßwände aus, was zum Anschwellen des Gewebes führt, und die Sauerstoffarmut begünstigt schädigende Prozesse in den Venenwänden, also das Fortschreiten der Krankheit. Sie kann bis zu Venenentzündungen, Ekzemen und „offenen Bein“, also einem Geschwür, führen. Bei Beschwerden sollte man sich daher vom Arzt untersuchen lassen. Die Behandlung richtet sich nach der Art und Schwere der Venenerkrankung und den eventuell zusätzlich erschwerenden Krankheiten.
Viele Einzelfaktoren haben Einfluss auf diesen Krankheitsprozess, der dazu neigt fortzuschreiten. Man kann ihn stoppen, aber die meisten Venenschäden nicht rückgängig machen. Daher ist es wichtig viel zu tun um das Entstehen und Fortschreiten der Venenschwäche zu bremsen. Krampfadern sollten grundsätzlich behandelt werden.
Erbfaktoren, Übergewicht, Berufe mit stehenden Tätigkeiten, Schwangerschaften sowie zunehmendes Alter sind große Risikofaktoren.

Medikamentöse Behandlung
Es gibt 2 Gruppen von empfehlenswerten Mitteln, für die gute wissenschaftliche Wirkungsnachweise vorliegen: Rosskastaniensamenextrakte und Flavonderivate. Beide werden innerlich angewendet. Für äußerlich anzuwendende Mittel hat die Wissenschaft keine über Placebo hinausgehende Wirkung gefunden.
Ob man besser Kastanienextrakte oder Flavonderivate nimmt, ist nicht generell zu sagen. In der Regel ist beides empfehlenswert, im Einzelfall kann jedes dieser Mittel jedoch wegen Nebenwirkungen wie Magenunverträglichkeit ausscheiden. Insgesamt sind beide Mittel sehr nebenwirkungsarm und auch auf Dauer und in der Schwangerschaft verträglich. Sie haben auch kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und schließlich sind sie empfehlenswert, weil sie in Kombination mit Kompression ungefähr doppelt so stark wirken wie Kompression oder Medikament allein.

Rosskastanienextrakt enthält als Hauptinhaltsstoff das Triterpenglykosid-Gemisch Aescin. Es wirkt dem Austritt von Flüssigkeit (samt Proteinen und Elektrolyten) und Zellen aus den Blutgefäßen entgegen und hat eine gefäßabdichtende Wirkung. Durch Hemmung lysosomaler Emzyme, die in der geschädigten Vene vermehrt vorkommen, wirkt Kastanienextrakt dem Abbau der Glycokalix (Mucopolysaccharide) im Bereich der Kapillarwand entgegen. Aescin hemmt auch entzündliche Prozesse und fördert die Mikrozirkulation. In verschiedenen Studien wurden signifikante Besserung subjektiver Beschwerden wie Müdigkeits-, Schwere- und Spannungsgefühl, Juckreiz, Schmerzen und auch von objektiv messbaren Schwellungen nachgewiesen.

Gewöhnliche Roßkastanie (Aesculus hippocastanum)
Quelle: Wikipedia

Die wirksame Dosierung ist 100 mg Aescin pro Tag, möglichst als Retardzubereitung. Wir empfehlen Venostasin retard Kapseln, da für dieses Präparat die gute Wirkung besonders ausführlich wissenschaftlich dokumentiert ist.

Flavonderivate werden seit Jahrhunderten in der Volksmedizin von Asien benutzt. In den 1930er-Jahren wurde die Wissenschaft auf sie aufmerksam, als man fand, dass Kapillarblutungen nicht mit reinem Vitamin C, sondern mit ungereinigten pflanzlichen Vitamin-C Zubereitungen zu heilen waren. Als wirksames Stoffgemisch fand man die Flavonderivate. Sie kommen meist als gelblicher Farbstoff in Früchten, Blüten und anderen Teilen von zahlreichen Pflanzen vor. Bis heute kennt man mehr als 600 Derivate, die sich chemisch größtenteils vom Rutin ableiten. Ein wesentlicher Nachteil ist, dass sie schwer löslich sind. Daher wird der Pflanzenstoff Rutin semisynthetisch durch Anhängen eines wasserlöslichen Restes zu dem wasserlöslichen Wirkstoff Rutosid verarbeitet. Flavonderivate sind Antioxidantien haben eine ganze Reihe von biologischen Wirkungen, im Vordergrund stehen die Wirkungen auf das Kapillarsystem: sie werden weniger durchlässig und weniger brüchig. Verschiedene Flavonoide werden für unterschiedliche Anwendungen benutzt. Zur Venenbehandlung ist besonders das halbynthetische Oxerutin aus dem Japanischen Schnurbaum zu empfehlen, da für das zugehörige Präparat Venoruton sehr gute Wirknachweise vorliegen. Die wirksame Dosierung beträgt 10-20 mg/kg Körpergewicht/Tag, entsprecht ca. 1000mg Tagesdosis. Sowohl Unter- als auch Überdosierungen führen zu einer Wirkungsabschwächung.

Sowohl der Kastanienextrakt als auch Oxerutin wirken zusätzlich zu Kompressionstherapie abschwellend und bei „offenem Bein“ heilungsfördernd.
Was die Mittel allerdings nicht leisten, ist eine Thromboseprophylaxe. Dafür eignen sich Kompressionstherapie und Heparine. Wer eine lange Flug-, Bahn- oder Busreise vor sich hat, kann mit Rosskastanienextrakt Beschwerden wie schmerzende, geschwollene Beine verhüten, muß aber für den Fall eines bekannten Thromboserisikos vom Arzt verordnetes Heparin nehmen.

Kompressionstherapie
Für die Dauerbehandlung der Venenschwäche sind Kompressionsstrümpfe und –strumpfhosen ein Grundpfeiler der Behandlung, vorausgesetzt der Patient kommt damit zu recht und es steht kein Grund wie Bewegungseinschränkungen, Herzschwäche oder arterielle Durchblutungsstörungen dagegen. Kompressionstherapie sollte daher vom Arzt verordnet werden. Moderne Kompressionsstrümpfe sind relativ dünn und in verschiedensten Qualitäten erhältlich. Ihre Wirkung hängt von der Stärke des ausgeübten Drucks ab. Deshalb werden sie in 4 Kompressionsklassen angeboten. Sie beugen nachweislich Thrombosen vor.
Für leichte Beschwerden wie geschwollene Beine und leichte Krampfadern können Stützstrümpfe oder Stützstrumpfhosen das Mittel der Wahl sein, da sie leichter anzuziehen und angenehmer zu tragen sind, weil sie weniger Druck ausüben als Kompressionsware.
Es gibt sie als „Nylonstrümpfe“ und auch mit hohem Baumwollanteil. In der Löwen-Apotheke Bederkesa ist eine Auswahl davon vorrätig. Es ist auch sinnvoll, sie mit innerlich einzunehmenden Mitteln 8s.o.) zu kombinieren.

Was kann man für sich selber tun?
Wichtige Ratschläge für Venenpatienten , nach Professor C. Diem
Fast alles, was mit Bewegung zu tun hat, ist für Ihre Beine gut.(spazieren gehen, Rad fahren, schwimmen, wandern).
Wenn sich langes Stehen und Sitzen nicht vermeiden lässt, öfter umhergehen, Zehenstände machen.
Ins Gewicht fällt Ihr Gewicht. Je mehr Last Ihre Beine zu tragen haben, um so mehr werden sie belastet. Machen Sie es Ihren Beinen leicht und versuchen Sie, unnötige Pfunde loszuwerden.
Trinken Sie pro Tag mindestens 2 Liter Wasser, im Sommer 3 Liter. Achten Sie darauf, dass die Getränke nicht zu viel Kochsalz enthalten.
Ernähren Sie sich gesund und faserreich. Chronische Verstopfung bekämpfen: Stuhlgang durch ballaststoffreiche Kost regulieren, denn starkes Pressen beim Stuhlgang ist ein wesentlicher Faktor bei der Krampfaderneubildung.
Flaches, bequemes Schuhwerk tragen(keine spitzen Schuhe mit hochhackigen Absätzen). Am günstigsten ist ein leicht erhöhter Absatz und eine gute Fußbetteinlage. Barfuß gehen ist gesund, wenn nicht zusätzlich eine arterielle Verschlusskrankheit der Beine oder Zuckerkrankheit vorliegt.
Beine öfter kalt (nicht eiskalt) abduschen oder Wechselduschen mit kaltem (10-16°C) und warmem Wasser (38° C) sind eine Wohltat für die Beine. Führen Sie den Wasserstrahl außen am Bein hoch bis zur Leiste. Wiederholen Sie den Vorgang auf der Innenseite. Wechselwarme Anwendungen sollten immer mit kaltem Wasser beendet werden. Auch Kneipp’sches Wassertreten tut Ihren Venen gut.
Hoch das Bein! Nehmen Sie sich tagsüber und am Abend Zeit, die Beine hochzulegen. Stellen Sie das Fußende des Bettes einfach um 3 bis 5 Zentimeter hoch.
Wenn vom Arzt verordnet, täglich Kompressionsstrümpfe tragen (am besten bereits vor dem Aufstehen anziehen) bzw. die abschwellenden Medikamente (Ödemprotektiva) nach Vorschrift einnehmen. Im Rahmen der medikamentösen Therapie sollten jedoch nur Stoffgruppen zum Einsatz kommen, deren therapeutischer Effekt durch kontrollierte Studien belegt ist.

SSS- und LLL- Regel :
Sitzen und Stehen ist Schlecht, Lieber Liegen oder Laufen.


Vermeiden:
Isometrische Übungen (Krafttraining, Gewichtheben) sollten vermieden werden.
Vermeiden Sie das Tragen überschwerer Lasten.
Vermeiden Sie enge Kleidung (enge Hosen, straffe Mieder, Strumpf- und Gummibänder, enge Gürtel).
Vermeiden Sie Nikotin und Alkohol im Übermaß.
Ungünstig ist alles, was die Vene erweitert: Heiße Bäder, ausgiebige Sonnenbestrahlung, zu lange Saunagänge.
Generelle Empfehlung: Hitze und pralle Sonne meiden.

Venenunterstützende Maßnahmen
Beine so oft wie möglich hochlegen
Spezielle Gymnastik für die Beinmuskulatur
Kühle Beinbäder
Hitze meiden
Möglichst viel Bewegung (z.B. Schwimmen, Fahrradfahren)
Stützstrümpfe

Achtung!
Wenn Sie ungewöhnliche Beschwerden haben, z.B. eine plötzliche Schwellung und/oder eine Blauverfärbung eines Beines, Husten oder Atemnot mit oder ohne atemabhängige stechende Schmerzen, sollten sie unbedingt Ihren Arzt aufsuchen.
Hedda Heuer

Dienstag, Mai 27, 2008

Wetter und Klima

Wetterumschwung im Mai - das heiße Hochdruckwetter kehrt zurück

Nach eher kühlen Tagen wird es jetzt auch in Mitteleuropa so richtig warm. Der Sommer, der schon Anfang Mai ein kurzes Gastspiel gegeben hatte, kommt jetzt mit warmer, feuchter Luft, Blitzen und Donnergrollen. Wie und warum es dazu kommt, darüber will ich hier ein wenig berichten...

Die Wettermaschine
Das Wettergeschehen auf der Erde wird in der Hauptsache von unserer Sonne angetrieben, die ihre Gunst aber höchst ungleich verteilt. Während sie die Tropen, die Äquatorregion also, mit ihren energiereichen Sonnenstrahlen geradezu verwöhnt, verhält sie sich gegenüber den Polen eher stiefmütterlich. Die Erwärmung der Erdoberfläche ist nämlich vom Einfallswinkel der Sonnenstrahlung abhängig. Je flacher die Strahlung einfällt, umso größer ist die Fläche, auf die sie sich ihre Energie verteilt, und umso weniger wird ein beliebiges Flächenstück erwärmt und umgekehrt. An den Polen ist der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen aber nun einmal sehr flach, in der Äquatorregion dagegen sehr steil. Wir in Deutschland liegen so ungefähr in der Mitte dazwischen. Und dann gibt es da noch den Wechsel von Tag und Nacht - die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse und vor allem ja auch noch die Jahreszeiten: Nord- und Südhalbkugel der Erde empfangen während eines Umlaufs um die Sonne abwechselnd einmal mehr und einmal weniger Sonnenstrahlung, denn diese trifft einmal steiler auf die Nordhalbkugel und flacher auf die Südhalbkugel und das andere Mal flacher auf die Nordhalbkugel und steiler auf die Südhalbkugel. Das liegt daran, daß die Drehachse der Erde nicht genau senkrecht auf der Bahnebene um die Sonne steht, sondern gekippt ist, und zwar um 23,5° . Im Winter auf der Nordhalbkugel, bekommt der Nordpol deshalb überhaupt keine Sonne ab (Polarnacht) Im Sommer scheint dort zwar rund um die Uhr die Sonne, aber der Einfallswinkel des Sonnenlichts ist wie gesagt sehr flach, und so bleibt es immer noch recht kalt. Im Bereich des Äquators hingegen, ist der Unterschied zwischen Sommer und Winter nur gering. Über das ganze Jahr gesehen wird die Äquatorregion also immer deutlich mehr erwärmt als die Pole und im Winter ist dieser Unterschied größer als im Sommer. Dieser Temperaturunterschied zwischen Äquatorregion und den Polen überträgt sich auch auf die Luftschichten darüber, denn diese erhalten ihre Wärme wie von einer Herdplatte durch den von der Sonne unterschiedlich stark aufgeheizten Erdboden. Der Temperaturunterschied zwischen tropischer Warmluft aus der Äquatorregion und polarer Kaltluft will ausgeglichen werden, und das ist der Antrieb für all das, was wir als Wetter tagtäglich immer wieder neu erleben.


Abb.1: Die Entstehung der Jahreszeiten
Quelle: Wikipedia Bild durch Anklicken vergrößerbar!

Das Wettergeschehen, welches wir uns gleich näher ansehen werden, spielt sich überwiegend in der untersten Schicht der Erdatmosphäre, der Troposphäre ab, die von unten -wo sie der Erdboden erwärmt- nach oben immer kälter wird.. Darüber erstreckt sich die sehr trockene Stratosphäre, wo die Luft schon ausgesprochen dünn ist. Sie enthält Ozon, das die gefährlichen Anteile der Ultraviolettstrahlung der Sonne abfängt uns sich dabei erwärmt. Aus diesem Grund ist die Stratosphäre wärmer als die obere Troposphäre (Temperaturinversion).

Bei der nun folgenden Erklärung des Wettergeschehens wollen wir uns aus Gründen der Übersichtlichkeit auf die Nordhalbkugel beschränken. Auf der Südhalbkugel laufen die Vorgänge mit umgekehrtem Vorzeichen, aber ansonsten ganz genauso ab.
Die tropische Warmluft und die polare Kaltluft breiten sich aus und treffen in den mittleren Breiten an der so genannten Polarfront aufeinander.Da der Luftdruck in der tropischen Warmluft mit wachsender Höhe langsamer abnimmt als in der kalten Polarluft, entsteht in der Höhe, in der oberen Troposphäre, ein Luftdruckgefälle (Gradient), das von der warmen zur kalten Luft, also von Süden nach Norden (polwärts) gerichtet ist. Daraus ergibt sich eine Gradientenkraft, die einen polwärts gerichteten Höhenwind (Jetstream) hervorruft, der aber wiederum von der Erdrotation abgelenkt wird und dadurch zu einem Westwind wird. Es bildet sich eine Westwindzone (Westdrift) heraus, die sich bis zum Erdboden hin durchsetzt. Das Temperatur- und damit Druckgefälle ist aber nicht überall an der Polarfront genau gleich groß und damit auch nicht die Windgeschwindigkeiten im jeweils dazugehörigen Abschnitt des Jetstreams. Durch diese Unregelmäßigkeiten beginnt der Jetstream zu mäandern (Rossby-Wellen). Die Wellenberge (Hochkeile)enthalten tropische Warmluft, die Wellentäler(Höhentröge) polare Kaltluft.

Abb 2: Jetstream mit Rossby-Wellen, dynamische Hoch- und Tiefdruckgebiete
Quelle: Lufthansa-Broschüre Bild durch Anklicken vergrößerbar!

Die Höhenströmung des Jetstreams wird dadurch abwechselnd beschleunigt und dann wieder abgebremst. Auf der Rückseite (Westseite) eines Wellentals des Jetstreams (Trog) wird die Luft beschleunigt, denn die Luftteilchen erfahren neben der polwärts gerichteten Gradientenkraft eine Zentrifugalkraft in genau die entgegengesetzte Richtung. Dadurch wird die Höhenströmung abgebremst und durch die mit noch ungebremster Geschwindigkeit nachfolgende Luft gibt es einen Luftstau (Konvergenz). Die Luftsäule in dieser Konvergenzzone gewinnt an Masse, so daß der Bodenluftdruck steigt. Die Luft weicht ringsherum nach außen aus (Divergenz in Boden) und es bildet sich ein abwärts gerichteter Hochdruckwirbel. Auf diese Weise entstehen die dynamischen Hochdruckgebiete (Anticyclonen), die sich auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn drehen und äquatorwärts ausscheren. Da die Luft in einem solchen Hochdruckgebiet nach unten sinkt und sich dabei erwärmt, lösen sich Wolken, falls vorhanden, sehr schnell auf. Auf der Vorderseite (Ostseite) eines Wellentals (Trog) nimmt die Geschwindigkeit der Höhenströmung wieder zu, da die abbremsende Zentrifugalkraft wegfällt. Die mit noch gebremster Geschwindigkeit nachfolgende Luft kommt nicht hinterher und es fehlt Luft (Divergenz). Die Luftsäule in dieser Divergenzzone verliert an Masse, und der Bodenluftdruck fällt. Die Luft strömt von ringsherum herbei (Konvergenz am Boden), und es entsteht ein aufwärts gerichteter Tiefdruckwirbel. Auf diese Weise entstehen die dynamischen Tiefdruckgebiete (Cyclonen), die sich auf der Nordhalbkugel wegen der Corioliskraft im Gegenuhrzeigersinn drehen und polwärts ausscheren.


Abb 3: Ablenkung von bewegten Luftteilchen durch die Erdrotation (Corioliskraft)
Die Erde dreht sich um die eigene Achse (Erdrotation) und die Luftteilchen ihrer Atmosphäre drehen sich mit. Je weiter man nach Norden gelangt, umso langsamer bewegen sich die Luftteilchen in Drehrichtung, denn die Breitenkreise werden ja immer kleiner und somit der zurückzulegende Weg während einer Erdumdrehung immer kürzer. Wenn sich ein Luftteilchen beispielsweise vom Äquator nach Norden bewegt, bekommt es also eine höhere Geschwindigkeit in Drehrichtung der Erde mit, als sie die in den höheren Breitengraden befindlichen Luftteilchen haben. Deshalb eilt es diesen in Richtung der Erdrotation nach Osten voraus, wird also nach rechts abgelenkt. Bewegt sich ein Luftteilchen von Norden in Richtung Äquator, so bekommt es eine niedrigere Geschwindigkeit in Richtung der Erddrehung mit als die sich auf den niedrigeren Breitengraden jeweils schon befindlichen Luftteilchen, und es bleibt diesen gegenüber zurück. Das Luftteilchen wird nach Westen, also ebenfalls nach rechts abgelenkt. Bewegt sich ein Luftteilchen auf einem mittleren Breitenkreis nach Osten in Richtung der Erdrotation, so wird es schneller als die es umgebenden Luftteilchen und bewegt sich zu einem Breitenkreis, der der höheren Geschwindigkeit entspricht, wird also nach rechts in Richtung Süden abgelenkt. Ein Luftteilchen dagegen, das sich auf einem mittleren Breitenkreis nach Westen entgegen der Erdrotation bewegt, verliert gegenüber den Luftteilchen der Umgebung an Geschwindigkeit und sucht sich einen dementsprechenden Breitenkreis. Es wird in Richtung Norden, also ebenfalls nach rechts abgelenkt.In der Abbildung stehen die blauen Pfeile für die Gradientenkraft (entlang eines Druckgefälles), die die Luftteilchen in Bewegung setzt. Die roten Pfeile stehen für die ablenkende Corioliskraft und die schwarzen Pfeile zeigen die resultierende Bewegung der Luftteilchen. Quelle: Wikipedia
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Die Ablenkung durch die Corioliskraft sorgt übrigens auch dafür, daß der Druckausgleich zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten nicht auf direktem und geradem Wege erfolgt. Die Lebensdauer von Hoch- und Tiefdruckgebieten wird so enorm verlängert.
Durch die von ihrem Tiefdruckzentrum ausgehende Drehbewegung stößt warme Luft polwärts gegen die Kaltluft vor (Warmfront), und im Gegenzug stößt kalte Luft äquatorwärts gegen die Warmluft (Kaltfront) vor. An der Warmfront, wo die warme Luft langsam über die kältere Luft nach oben gleitet, bilden sich Schichtwolken, und es fängt häufig über längere Zeit an zu regnen (Landregen). In größeren Höhen, wo es kälter ist, bilden sich Eiswolken (Cirrus). Die Kaltfront und die dahinter befindliche Kaltluft bewegen sich wesentlich schneller als die vorauseilende Warmluft, die wegen ihrer Aufstiegstendenz eine schwächer ausgeprägte Vorwärtsbewegung hat. Die Warmluft wird so nach und nach von der herannahenden Kaltluft durchdrungen, erfährt dabei, da sie leichter ist, einen starken Auftrieb (labile Luftschichtung), und es bildet sich eine ausgeprägte Quellbewölkung. Bei kräftigen Winden kommt es zu sehr heftigen Regenschauern, oft auch zu Gewittern mit Hagel. Der Warmluftsektor wird nach und nach zusammengeschoben. Warm- und Kaltfront vereinigen sich dabei zu einer Mischfront (Okklusion) bis der Warmluftsektor völlig verschwunden ist. Später löst sich das Tiefdruckgebiet dann ganz auf. Die durchschnittliche Lebensdauer dynamischer Tiefdruckgebiete liegt bei nur knapp einer Woche. An den Kaltfronten älterer Tiefdruckgebiete können wiederum kleine Wellenstörungen auftreten und die Bildung weiterer dynamischer Tiefdruckgebiete (Randtiefs, Tochtertiefs) auslösen.


Abb 4: Entwicklung und Aufbau eines Tiefdruckgebietes Tiefdruckgebietes nach Vilhelm Bjerknes (1862-1951), der die Polarfronttheorie entwickelte;Erklärungen im Text.
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Aus kleinen Wellenstörungen des Jetstreams an der Polarfront entstehen also dynamische Hoch- und Tiefdruckwirbel, die wie Rührwerke für eine Durchmischung von Warm- und Kaltluft und damit für einen Abbau des Temperatur- und Druckgefälles zwischen der Äquatorregion und den Polen sorgen. Die Tiefdruckwirbel werden von der Westdrift nach Osten getragen. In den Gebieten unter ihren Zugbahnen sorgen sie für wechselhaftes Wetter mit Wolken und häufigen Niederschlägen sowie zwischenzeitlicher Aufheiterung (Zwischenhochs) bei relativ milden Temperaturen.

Die aktuelle Wetterlage
Wir werden nun unser frisch erworbenes Wissen anwenden und uns der Wetterlage Ende Mai zuwenden. Dazu benutzen wir eine Aufnahme des europäischen Wettersatelliten Meteosat, der die Erde auf einer geostationären Bahn umläuft. Der Satellit fliegt dabei auf einer so hohen Bahn, daß er für eine Erdumrundung genau einen Tag braucht, also genau die Zeit, welche die Erde für eine Drehung um die eigene Achse benötigt. Daher dreht sich der Satellit genau mit der Erde und bleibt so immer über demselben Ort auf der Erdoberfläche.


Abb 5: Wetterlage am 27.Mai 2008 um 12.00 UTC
Quelle: http://www.metoffice.gov.uk/
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Auf dem Bild fällt sofort ein gewaltiges Tief bei Island ins Auge. Warm- und Kaltfront sowie die okkludierten Anteile seines Frontensystems sind gut zu erkennen (vgl. auch Abb. 4). Ein weiteres Tief mit Zentrum westlich der Biskaya erstreckt sich mit seinem Frontensystem im Bogen über die Britischen Inseln, die Benelux-Länder und Frankreich. Die ersten Ausläufer haben schon das westliche Deutschland erreicht. Über Mittel- und Osteuropa liegt ein ausgedehntes Hoch. Der Himmel ist dort praktisch wolkenfrei. Durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung ist es dort heiß und trocken.

Weitergehende Informationen über die Wetterlage entnehmen wir einer Höhenkarte.Sie zeigt viele Farbschattierungen, die jeweils anzeigen, in welcher Höhe der Luftdruck auf 500 hPa zurückgegangen ist (Höhenangaben in Dekametern!). Da sich warme Luft nach oben hin mehr ausdehnt als kalte Luft, fällt der Luftdruck auch entsprechend langsamer mit wachsender Höhe. Je wärmer also die Luft umdso größer die Höhe in der der Luftdruck auf 500 hPa gesunken ist. Man erhält in einer zusammenfassenden Kartendarstellung dann eine 500 hPa-Fläche in Form einer Art "Landschaft" mit "Bergen" und "Tälern". In den roten, orangefarbenen und gelben Bereichen befindet sich die warme Luft, deren Temperatur von gelb nach rot zunimmt; in den grünen, blauen und violetten Bereichen hingegen die kalte Luft, mit von grün über blau nach violett sinkender Temperatur. Die Isobaren des Bodenluftdrucks sind als weiße geschlossene Linien eingezeichnet. Isobaren verbinden die Orte gleichen Luftdrucks miteinander. Geringe Abstände zwischen diesen zeigen ein großes Luftdruckgefälle an und umgekehrt. Die Luftdruckwerte sind auf den Isobaren eingetragen. Die Zahlen auf der 500 hPa-Fläche zeigen die jeweils herrschenden Temperaturen an. Eine schwarze Linie markiert den Verlauf der Polarfront, wo die Warmluft aus den Tropen und die polare Kaltluft aufeinanderstossen und wo auch der Polarfrontjetstream verläuft (s.o.).


Abb. 6: Höhenkarte zum Satellitenbild vom 27.Mai 2008 um 12:00 Uhr UTC
Quelle: http://www.wetterzentrale.de/
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Beim Betrachten der Höhenkarte fällt auf, daß sich das Islandtief, wie nicht anders zu erwarten im direkten Einflußbereich des Polarfrontjetstreams befindet. Das Biskaya-Tief jedoch, steht vollkommen abseits, losgelöst von Polarfrontjetstream und Westdrift, Auge in Auge mit dem ausgedehnten Hoch über Mittel- und Osteuropa.

So etwas kann immer dann passieren, wenn das Temperaturgefälle an der Polarfront deutlich abnimmt. Die Strömungsgeschwindigkeit im Jetstream geht dann ebenfalls deutlich zurück, so daß die Rossby-Wellen immer stärker werden. Der sehr stark mäandernde Jetstream wird dann noch langsamer bis die Höhenströmung oft sogar vollkommen zusammenbricht. Die dynamischen Hoch- und Tiefdruckgebiete in der Westdrift werden dadurch sozusagen "eingefroren". Die Hochs blockieren dann die Tiefs („blocking action“), welche sich daraufhin von der Westwindzone lösen („cut off“), um das Hindernis zu "umfahren". Polwärts bildet sich ein neuer Polarfontjetstream und eine neue Westdrift ohne Rossby-Wellen, mit dementsprechend hoher Strömungsgeschwindigkeit aus. Da hier kein Temperaturausgleich mehr gelingt, werden die Temperaturgegensätze zwischen tropischer Warmluft und polarer Kaltluft wieder größer, bis sich durch Instabilitäten des Jetstreams auch wieder Rossby-Wellen bilden, womit auch wieder neue dynamische Hoch- und Tiefdruckgebiete entstehen können. Da die von der Westdrift losgelösten Tiefs ursprünglich auf der Kaltluftseite der Polarfront entstanden sind, handelt es sich bei ihnen um Bereiche kalter Luft, die von der wärmeren Umgebungsluft der Warmluftseite völlig eingeschlossen sind. Daher werden sie auch Kaltlufttropfen genannt. Als kalte Höhentiefs über relativ warmer Luft - eine labile Luftschichtung also - „saugen“ sie die Luft nach oben. Diese kühlt dabei ab, und es entwickeln sich viele Quellwolken (Cumulus, Cumulunimbus). Heftige Niederschläge (Starkregen, Schnee) und oft auch Gewitter (Hagel) sind die Folge.

Das Biskaya-Tief ist also ein Kaltlufttropfen, der in seinem Einflußbereich für heftige Gewitter sorgt. Da sich das Tief im Gegenuhrzeigersinn dreht führt es tropische Warmluft über das Mittelmeer - wo sie noch viel Feuchtigkeit aufnehmen kann - nach Mitteleuropa heran. Die warme und feuchte Luft wird jedoch durch die Alpen aufgehalten. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als an der windzugewandten Seite der Alpen, der Luvseite also aufzusteigen und dabei abzukühlen. Der Wasserdampf in der Luft kondensiert, und es kommt zur Wolkenbildung und Niederschlägen. Dabei wird Kondensationswärme frei, auch latente Wärme genannt. Sie entspricht der Energie, die nötig war, um das Wasser über dem Mittelmeer zu verdunsten und die nun bei dem umgekehrten Vorgang natürlich wieder freigesetzt wird. Die latente Wärme gibt der aufsteigenden Luft neuen Auftrieb, denn solange diese wärmer ist als die Umgebungsluft, kann der Aufstieg weitergehen. Auch Wasserdampf kondensiert weiter aus, solange noch genug davon vorhanden ist. Die bei der Wolkenbildung freiwerdende Kondensationswärme treibt also ihrerseits wieder die Wolkenbildung an. So kann sich eine ausgeprägte Quellbewölkung mit ergiebigen Niederschlägen und oft auch heftigen Gewittern ausbilden. Auf der windabgewandten Seite der Alpen, der Leeseite sinkt die nach dem Ausregnen nun sehr trockene Luft wieder ab und erwärmt sich dabei wieder. Bei gleichen Höhenunterschieden wird sie dabei wärmer, als sie ursprünglich vor dem Aufstieg war, da sie ja noch die latente Wärme enthält. Nördlich der Alpen weht deshalb ein warmer und trockener Südföhn.

Wir fassen noch einmal zusammen:
In Westeuropa toben Gewitterstürme, Mittel- und Osteuropa stehen unter Hochdruckeinfluß. Deutschland liegt genau in der Mitte. Also Gewitter im Westen und überwiegend Sonnenschein im Osten bei von Süden her deutlich ansteigenden Temperaturen.

Gesundheitliche Beschwerden bei Hochdruckwetter
Der Mensch ist wie alle anderen Säugetiere auch in der lage seine Körpertemperatur, abgesehen von geringen Tagesschwankungen, weitestgehend konstant bei etwa 37 ° C zu halten und dies bei wechselnden Umweltbedingungen - bei warmen und kaltem Wetter - , aber auch bei unterschiedlicher eigener Stoffwechsellage. Vor allem in den lebenswichtigen inneren Organen und dem Gehirn, im Körperinneren also, muss für ein reibungsloses Funktionieren immer eine konstante Temperatur, die Kerntemperatur, aufrecht erhalten werden. In den äußeren Körperschichten, der Körperschale ist es deutlich kühler und die Temperaturschwankungen dürfen größer sein. Um die Kerntemperatur konstant zu halten, ist es notwendig, daß die durch Stoffwechselprozesse produzierte inneren Eigenwärme und die an die Umgebung abgegebene Wärme genau gleich groß sind. Die innere Eigenwärme gelangt hauptsächlich mit dem Blutstrom, in geringerem Ausmaß auch durch einfache Wärmeleitung in die äußeren Gewebe der Körperschale. An der Körperoberfläche wird die Wärme dann über die Haut durch Wärmeleitung, Konvektion (Luftumwälzung) und durch Verdunstungsvorgänge (Schwitzen) an die Umgebung abgegeben. Das daduch abgekühlte Blut fließt ins Körperinnere zurück.

Wärmeproduktion und Wärmeabgabe werden durch eine Schaltzentrale im Hypothalamus des Gehirns über das vegetative Nervensystem gesteuert.

Der körpereigene Temperaturregulationsmechanismus, der über zahlreiche Temperaturfühler in Haut und Gewebe verfügt, setzt an mehreren Stellen an: Die Blutgefäße in der Haut erweitern sich, wenn es warm wird (Vasodilatation), so daß die Hautdurchblutung zunimmt. Der Blutdruck fällt, Herzfrequenz und Herzarbeit nehmen zu. Durch den verstärkten Blutstrom kann dann mehr Wärme nach außen abgegeben werden. Die Schweißproduktion wird gesteigert und damit auch die Verdunstung auf der Haut. Die zusätzliche Verdunstungskälte wirkt stark abkühlend. Bei hoher Luftfeuchtigkeit ist die Schweißverdunstung aber deutlich behindert. Eine ausreichende Abkühlung des Körpers gelingt dann oft nicht mehr, und es droht Überhitzung. Wenn es kalt ist, verengen sich die Blutgefäße der haut (Vasokonstriktion) und dadurch geht dem Körper auch weniger Wärme verloren. Kommt es trotzdem zu einer stärkeren Auskühlung, so setzt Muskelzittern ein, wobei innere Wärme produziert wird. Durch Ausschüttung von Streßhormonen steigen Blutdruck, Herzarbeit und Herzfrequenz. Da die äußeren Blutgefäße eng gestellt sind, werden die lebenswichtigen Organe und das Gehirn vermehrt durchblutet.


Abb. 7: Die Thermoregulation, dessen Schaltzentrale sich im Hypothalamus des Gehirns befindet, setzt an den Blutgefäßen der Haut, den Schweißdrüsen und den Muskeln an.
Quelle: http://fig.cox.miami.edu/~cmallery/150/physiol/physiology.htm
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Hochdrucklagen mit hohen Temoeraturen belasten also ganz erheblich den Kreislauf , ganz besonders dann, wenn auch noch eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Das gilt insbesondere für ältere und kranke Menschen. Sie sollten auf jeden Fall bei derartigen Wetterlagen unnötige Anstrengungen vermeiden. Während des Rekordsommers im Jahre 2003, der heißeste in Europa seit 500 Jahren (!) starben dort rund 70.000 Menschen mehr als üblicherweise in diesem Zeitraum (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,473614,00.html).

Es gibt berechtigterweise die Befürchtung, daß derartig heiße Sommer als Folge des Klimawandels im Zuge der globalen Erwärmung, schon bald nicht mehr die Ausnahme sein werden, sondern der Regelfall!

Treibhauseffekt, Klimawandel und Hochdruckwetter
Der Erdboden absorbiert die Strahlung der Sonne, wandelt sie in Wärme um und erwärmt wiederum die Atmosphäre von unten. Ein Teil der Wärme wird vom Erdboden wieder in den Weltraum abgestrahlt (Infrarotstrahlung), wovon die Treibhausgase (Kohlendioxid, Wasserdampf, Methan, Lachgas) aber wiederum etwas zurückhalten. Die Treibhausgasmoleküle absorbieren nämlich bestimmte ausgewählte Wellenlängen der Infrarotstrahlung und geben einen Großteil davon durch Stöße an Nachbarmoleküle ab. Die Atmosphäre erwärmt sich dadurch ein wenig. Ein kleiner Teil gelangt jedoch als infrarote Gegenstrahlung - mit derselben Wellenlänge in der zuvor absorbiert wurde - wieder zurück zum Erdboden, der dadurch wieder etwas Wärme zurückbekommt und so langsamer auskühlt. Der Rest der aufgenommenen Wärme wird durch die Treibhausgase in den Weltraum abgestrahlt. Aufgrund der verzögerten Auskühlung erwärmt sich der Erdboden durch die Sonnenstrahlung auf höhere Temperaturen, als wenn es keine Treibhausgase gäbe. Die Erdoberfläche strahlt dann dem Temperaturanstieg entsprechend mehr Infrarotstrahlung - mit den zahlreichen Wellenlängen, die die Treibhausgase nicht absorbieren können (Infrarotfenster) - in den Weltraum ab, so daß sich ein neues Strahlungsgleichgewicht auf diesem höheren Temperaturniveau einstellt. Der durch den Treibhauseffekt erwärmte Erdboden gibt seine zusätzliche Wärme aber auch von unten an die unteren Luftschichten der Troposphäre weiter. Die Wirkungen der Treibhausgase addieren sich, können sich aber auch gegenseitig überproportional verstärken. Nimmt beispielsweise die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Luft zu, so wird es nur ein wenig wärmer. Die wärmere Luft kann jedoch mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Wasser (H2O) ist nun aber ein wesentlich stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Damit verstärkt das H2O in der Atmosphäre den relativ geringen Treibhauseffekt des CO2 (Wasserdampfverstärkung).

Aber nicht alle bei der Erde eintreffenden Sonnenstrahlen gelangen bis zur Erdoberfläche und erwärmen sie, denn ein Teil der Strahlung wird von den hellen Wolken in den Weltraum zurückgeworfen (reflektiert), und auch die Erdoberfläche selbst reflektiert in Abhängigkeit von ihrer Beschaffenheit einen gewissen Anteil der Sonnenstrahlung (Albedoeffekt). Ist die Erdoberfläche beispielsweise vereist oder gar von Schnee bedeckt, oder gibt es viele Wolken, so hat die Erde ein hohes Albedo, und die Sonnenstrahlung wird zu einem großen Teil in den Weltraum reflektiert. Ein hohes Albedo wirkt also abkühlend. Ein weiterer eher kleiner Anteil der Sonnenstrahlen wird von der Atmosphäre direkt aufgenommen (absorbiert).Wolken wirken nicht nur durch ihre hohe Albedo abkühlend, sondern haben auch einen dem entgegen stehenden Treibhauseffekt. Sie halten die Wärme sogar besser als alle Treibhausgase, denn sie absorbieren die Infrarotstrahlung in allen infraroten Wellenbereichen! Davon gelangt der eine Teil als infrarote Gegenstrahlung wieder zurück zum Erdboden, der andere wird direkt in den Weltraum abgestrahlt. Diese Abstrahlung in den Weltraum wird umso geringer, je größer die vertikale Ausdehnung der Wolken ist, denn in größeren Höhen ist die Wolkenoberseite deutlich kälter als die Unterseite. Die Infrarotabstrahlung der Wolkenoberseite in den Weltraum ist damit deutlich geringer als die infrarote Gegenstrahlung an der Wolkenunterseite. Je nach Wolkenart überwiegt ihr abkühlender Effekt oder ihr Treibhauseffekt: Eiswolken (Cirrus) in großen Höhen lassen das Sonnenlicht größtenteils durch, absorbieren aber sehr gut die vom Erdboden kommende Infrarotstrahlung und wirken daher erwärmend. Wolken, die aus kleinen Wassertröpfchen bestehen (Cumulus, Stratus), sind sehr hell und reflektieren daher das meiste Sonnenlicht. Obwohl auch diese Wolken die Infrarotstrahlung vom Erdboden sehr gut absorbieren, überwiegt hier der abkühlende Effekt.

Vor allem durch die Nutzung fossiler Brennstoffe hat die Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre deutlich zugenommen. Damit ging ein deutlicher Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur einher (globale Erwärmung). Auf der Nordhalbkugel ist dabei eine überproportionale Erwärmung der Polarregion (Arktis) zu beobachten, denn wenn das Meereis der Arktis schmilzt kommt die darunter liegende wesentlich dunklere ozeanische Wasseroberfläche zum Vorschein. Die Sonnenstrahlung wird in wesentlich geringerem Ausmaß reflektiert, als zuvor, so daß sich die Erwärmung verstärkt, denn die dunkle Wasseroberfläche absorbiert die Sonnenstrahlung deutlich besser als eine helle Eisoberfläche, erwärmt sich dementsprechend mehr und dann auch die Luftschichten darüber. Es handelt sich um eine sich selbst verstärkende positive Rückkopplung – je mehr Eis geschmolzen ist, umso stärker die Erwärmung, wodurch noch mehr Eis schmilzt usw. - die von einem bestimmten Punkt an dann nicht mehr aufzuhalten ist.

Durch die globale Erwärmung sind beispielsweise auf der Nordhalbkugel Hochdruckwetterlagen immer häufiger zu erwarten. Das hängt mit der Verlagerung des Polarfrontjetstreams in Richtung Pol zusammen, wodurch West- und Mitteleuropa immer häufiger unter Hochdruckeinfluss geraten. Dann ist es heiß und trocken. Ursache für die Verlagerung ist ein „Vordringen“ der tropischen Warmluft und ein „Rückzug“ der Kaltluft in die engere Polarregion. Die im Verlauf der letzten Jahre überproportionale Erwärmung in der Arktis (s.o.) vermindert zudem das Temperatur- und damit auch Druckgefälle an der Polarfront. Der Jetstream wird dadurch im Durchschnitt langsamer und mäandert stärker, so daß blockierende Hochdrucklagen begünstigt werden. Anderseits bilden sich aber auch immer häufiger Kaltlufttropfen,wodurch Starkregenereignisse und heftige Gewitterstürme wahrscheinlicher werden.

Im Winter sind die Auswirkungen eines stärker mäandernden Polarfrontjetstreams etwas anders: Ein schneller, nur wenig mäandernder Jetstream schließt die polare Kaltluft ähnlich wie eine Mauer ein. Mäandert der Jetstream wegen eines geringeren Temperatur- und Druckgefälles an der Polarfront jedoch stärker, so wird die polare Kaltluft von ihn nicht mehr richtig "eingeschlossen“. Daher kommt es zu gehäuften, massiven Kaltluftausbrüchen nach Süden (Kaltlufttröge und Kaltlufttropfen), wodurch es stellenweise recht kalt wird und es auch zu stärkeren Schneefällen kommen kann. Die plötzlichen Wintereinbrüche passieren zuerst dort, wo die Kaltluft am besten vorankommt, also über relativ schnell auskühlenden kontinentalen Landmassen wie beispielsweise Zentralasien.




Abb 8:
Links: Ruhige Wellenbewegungen des Jetstreams (positive Phase) begünstigen milde, verregnete Sommer durch eine ausgeprägte Westdrift der Tiefdruckgebiete. Im Winter wird die polare Kaltluft gut eingeschlossen und es bleibt ebenfalls recht mild.
Rechts: Wenn der Jetstream stärker mäandert, werden blockierende Hochdrucklagen wahrscheinlicher, und die Sommer werden heiß und trocken. Im Winter kommt es immer wieder zu Kaltluftausbrüchen nach Süden (negative Phase.
Quelle: [http://www.washington.edu/] Bilder durch Anklicken vergrößerbar!

Jens Christian Heuer

Donnerstag, April 03, 2008

Forschung Aktuell

Gute Nachrichten für alle Kaffeetrinker - Coffein schützt das Gehirn!
Der im Kaffee enthaltene anregende Wirkstoff Coffein schützt das Gehirn vor den Auswirkungen einer zu fettreichen Ernährung und wohl auch bis zu einem gewissen Grade vor Alzheimer. Diese überraschende Schlußfolgerung ziehen Wissenschaftler jedenfalls aus neuesten Tierversuchen mit Kaninchen.
Eine Gruppe von Pharmakologen der University of North Dakota unter Leitung von Prof. Jonathan D.Geiger untersuchten an einem "Kaninchenmodell", welche Folgen eine sehr fettreiche Ernährung mit hohem Cholesterinanteil auf das Gehirn der Tiere hat. Cholesterin und gesättigte, aber auch ungesättigte (essentielle) Fettsäuren führen im Übermaß zu winzigen Beschädigungen der Zellmembranen, was dann eine unspezifische Immunantwort auslöst. Es kommt zu einer schwachen Entzündung, die zum Untergang der betroffenen Gehirnzellen führt. Die Kaninchen wurden in vier Gruppen eingeteilt. Zwei Gruppen bekamen die fettreiche Diät, eine davon bekam aber noch zusätzlich 3mg Coffein ins Trinkwasser gemischt.


Versuchskaninchen Quelle: http://www.animal-spirit.at/
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Auf den Menschen übertragen entspricht das nur einer einzigen Tasse Kaffee pro Tag! Zwei weitere Kontrollgruppen erhielten normales Futter, einmal mit und einmal ohne zusätzliches Coffein. Nach zwölf Wochen hatten bei einer fettreichen Diät mit viel Cholesterin die Gehirne der Tiere, denen zusätzlich Coffein ins Trinkwasser gemischt wurde, weniger Schaden genommen, als die Gehirne der Tiere, die kein Coffein erhalten hatten. Bei der Kontrollgruppe gab es keinerlei Unterschiede zwischen den Gruppen mit und ohne Coffein. Gehirnschäden gab es offenbar keine.
Ein Espresso pro Tag genügt bereits!
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Untersucht wurden jeweils das Riechhirn, aber auch Teile der Großhirnrinde (Wahrnehmungsverarbeitung, Motorik und höhere Denkfunktionen)und des Hippocampus (Gedächnisbildung, Überführung von Gedächnisinhalten aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächnis). Dabei lassen sich geschädigte oder abgestorbene Gehirnzellen, aber auch Antikörper und Signalstoffe infolge einer Entzündungsreaktion leicht nachweisen. AStudienleiter Jonathan Geiger ist überzeugt, dass Koffein auch das menschliche Gehirn vor den negativen Auswirkungen einer sehr fettreichen Ernährung schützt und vermutet auch eine vorbeugnde Wirkung des Coffeins gegen Alzheimer.


Cholesterinstoffwechsel Quelle: http://www.medizininfo.de
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Ein hoher Cholesteringehalt im Blut schädigt die Blut-Hirn-Schranke, die normalerweise das Eindringen schädlicher Stoffe aus dem Blut ins Gehirn verhindert. Das Gehirn wird von einem Netzwerk feiner Blutgefäße versorgt. Durch diese Blutgefäße wird das Gehirn beispielsweise mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Die Wände dieser Blutgefäße in ihrer Gesamtheit bilden die Blut-Hirn-Schranke. Entscheidend für das Funktionieren der Blut-Hirn-Schranke sind sogenannte Tight-Junction-Proteine (tight junction = dichte Verbindung), die in den Blutgefäßwänden des Gehirns für eine besonders hohe Abdichtung sorgen. Als Membranproteine "vernieten" sie die Zellmembranen benachbarter Epithelzellen und ermöglichen so als Diffusionsbarriere eine Kontrolle des Stoffaustausches. Epithelzellen (Deckzellen) bedecken, ähnlich wie Dachziegeln, als ein- oder mehrlagige Zellschichten die inneren und äußeren Körperoberflächen. Verlieren die Tight-Junction-Proteine ihren Zusammenhalt, so wird die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger und kann das Eindringen von Schadstoffen nicht mehr wirksam verhindern. Eine löchrige Blut-Hirn-Schranke begünstigt vermutlich auch die Entstehung von Alzheimer Demenz, Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen, also Krankheiten, die mit einem fortschreitenden Untergang von Nervenzellen verbunden sind. Coffein kann dem Gedächtnisverlust entgegenwirken, hatten bereits frühere Studien an Menschen und Tieren ergeben. Der genaue Wirkmechanismus des Coffeins war bislang aber ungeklärt. Geiger und seine Kollegen glauben nun, ihn erstmals verstanden zu haben: Das Coffein fördert die Biosynthese von Tight-Junction-Proteinen und schützt so die Blut-Hirn-Schranke beispielsweise vor Schädigungen durch Cholesterin. Das verhindert das Eindringen von Schadstoffen ins Gehirn. Den Wirkungen des Coffeins im Gehirn will die Arbeitsgruppe um Geigerl noch weiter nachgehen, um neue Therapiemöglichkeiten für neurodegenerative Erkrankungen zu finden. Einen ersten Ansatzpunkt gibt es bereits: Coffein blockiert anscheinend vor allem Adenosin-Rezeptoren. Adenosin ist ein kleines Molekül, das einerseits als Baustein von Nukleinsäuren (DNA, RNA) und Adenosintriphosphat (ATP) dient, andererseits reguliert es die Funktion von praktisch jeder Körperzelle. Die DNA (desoxyribonucleic acid) speichert die Erbinformation, die RNA (ribonucleic acid) ist an der Übertragung und Umsetzung dieser Information durch Proteinbiosynthese beteiligt. DNA und RNA befinden sich überwiegend im Zellkern (nucleus lat. Kern), daher der Name. Die Bausteine der Nukleinsäuren sind die Nukleotide, die sich jeweils aus einer Phosphorsäure, einem Zucker und einer Base zusammensetzen. Diese Bausteine verbinden sich zu langen Strängen, bei der DNA zu einem Doppelstrang, der berühmten Doppelhelix, bei der RNA nur zu einem einfachen Strang. ATP ist der universelle Energieträger der Zelle. Die Energie kann durch Aufspaltung des Moleküls freigesetzt werden und treibt dann alle enrgieverbrauchenden Prozesse in der Zelle an.

Die Rolle der Nukleinsäuren (DNA, RNA) und des Adenosintriphosphats (ATP)...
Links: Durch Replikation wird das Erbmaterial vor einer Zellteilung verdoppelt.
Bei der Transkription wird die Erbinformation von der DNA auf die bewegliche RNA umgeschrieben. Bei der Translation wird die Erbinformation durch Proteinbiosynthese umgesetzt.
Rechts: Durch "kalte Verbrennung" von Nährstoffen wird Energiegewonnen und in Form von Adenosintriphoshat (ATP) zwischengespeichert. Durch Aufspaltung dieses Energieträgermoleküls in Adenosindiphosphat (ADP) und Phosphorsäure (P) wird die Energie wieder freigesetzt und treibt dann zahllose energieverbrauchende Prozesse in der Zelle an. Danach wird das ATP wieder regeneriert.
An allen hier dargestellten Vorgängen sind Enzyme als Reaktionsvermittler (Katalysatoren) beteiligt.
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Die regulatorischen Eigenschaften von Adenosin werden über Rezeptoren vermittelt. Davon gibt es vier Sorten, die eine unterschiedliche Gewebeverteilung aufweisen. Adenosin-Rezeptoren werden stimuliert, wenn Zellen einen hohen Energiebedarf haben und deshalb viel ATP verbrauchen, wobei Adenosin freigesetzt wird. Das Adenosinsignal wirkt hier als eine "Drehzahlbegrenzung" des Zellstoffwechsels. Eine Aufhebung dieser "Drehzahlbegrenzung" bei Gehirnzellen erhöht deren Aktivität und wird durch den Genuß von Kaffee oder Tee erreicht. Coffein verdrängt das Adenosin von seinen Rezeptoren und hebt damit dessen Wirkung auf (antagonistischer Effekt). Die Besetzung eines Adenosin-Rezeptors mit Coffein unterbindet also die "Drehzahlbegrenzung" der Gehirnzellen durch Adenosin. Daraus ergibt sich die allseits bekannte und geschätzte, aufmunternde Wirkung coffeinhaltiger Getränke. Natürlich werden auf diese Weise auch Biosyntheseleistungen (z.B. von Tigh-Junction-Proteinen)der Zellen angekurbelt.
Jens Christian Heuer

Sonntag, März 16, 2008

Wirtschaft

Schlecker mit Versand-Apotheke

Die Drogeriekette Schlecker (http://www.schlecker.com/), die in Deutschland 11000 Filialen betreibt (mit insgesamt 16 Millionen Kunden in jeder Woche!), steigt in diesem Monat in das Apothekengeschäft ein. Über die holländische Versandapotheke Vitalsana, mit der Schlecker eine Partnerschaft eingegangen ist, werden zunächst rezeptfreie Medikamente und ein Zusatzsortiment aus dem Gesundheitsbereich verkauft werden. Rezeptpflichtige Medikamente sollen später folgen. In den Schleckerfilialen liegen Bestellhefte aus, woraus die Artikel dann telefonisch, per Post oder Internet bestellt werden können.

Seit dem Jahre 2004 sind in Deutschland die Preise für rezeptfreie Medikamente freigegeben. Seitdem sind die Preise nicht mehr staatlich festgelegt, sondern bilden sich nach Angebot und Nachfrage. Die freien Preise beim Handel mit rezeptfreien Medikamenten haben den Kunden schon vielerorts geholfen wirklich Geld zu sparen. Auch die Löwen-Apotheke Bederkesa befürwortet und nutzt diese neue Freiheit des Marktes. Wenn wir rezeptfreie Medikamente günstig einkaufen, geben wir diese Einkaufsvorteile zu großen Teilen an unsere Kunden weiter!

Schlecker behauptet nun, ganz besonders günstig zu sein und die rezeptfreien Medikamente um rund 20 % billiger anzubieten, als die herkömmlichen Apotheken.

Ein kleiner Preisvergleich soll nun zeigen, ob das auch in Bederkesa und umzu so ist:















Löwen-Apotheke Bederkesa: 5,50€
Schlecker: 6,59€
Apotheke Sander Bremerhaven: 5,79€














Löwen-Apotheke Bederkesa: 5,95 €
Schlecker: 7,79 €
Apotheke Sander Bremerhaven: 6,29 €










Löwen-Apotheke Bederkesa: 2,70€
Schlecker: 3,99 €
Apotheke Sander Bremerhaven: 2,99 €




Löwen-Apotheke Bederkesa: 2,95 € Schlecker: 3,25 € Apotheke Sander Bremerhaven: 2,99 €
















Löwen-Apotheke Bederkesa: 5,65 € Schlecker: 6,29 € Apotheke Sander Bremerhaven: 5,79 €

















Löwen-Apotheke Bederkesa: 4,95 € Schlecker: 6,49 € Apotheke Sander Bremerhaven: 4,99 €

(Preisvergleich von Grippostad 24 Kapsen, Curazink 20 Kapseln, ACC akut 10 Brausetabletten,
Superpep 10 Kaugummi Dragees, Thomapyrin 20 Tabletten und Elmex Gelee 25 g)

Beim raschen Überfliegen dieser Liste erkennt man sofort, daß Schlecker hier durchweg teurer ist als die beiden öffentlichen Apotheken! Das soll nicht heißen, daß das für alle rezeptfreien Medikamente so gilt, aber der Preisvergleich zeigt auf jeden Fall sehr deutlich:
Genaueres Hinsehen lohnt sich für die Kunden, denn die öffentliche Apotheke bietet nicht nur eine kompetente Beratung, sondern ist oft auch noch günstiger!

Jens Christian Heuer

Quellen : Anzeige Apotheke Sander, Anzeige Schlecker, Wirtschaftswoche online 28.2.2008

Freitag, Januar 18, 2008

Psychologie

Festinger, Freud und die Kognitive Dissonanz

Unser Denken und Fühlen bestimmt unser Handeln, so lautet die gängige Ansicht, die auch sehr gut mit den allseits gemachten Lebenserfahrungen übereinstimmt. Der amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger stellte mit seiner Theorie der Kognitiven Dissonanz aber genau diese Ansicht auf den Kopf, indem er aufzeigte, daß sehr oft unser Handeln unser Denken und Fühlen bestimmt und nicht umgekehrt.

Ein Beispiel
Stellen Sie sich vor, Sie haben das Gefühl, ohne Zigaretten nicht wirklich gut leben zu können, aber immer wieder von den gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens .zu hören und zu lesen. Und der morgendliche Husten ist leider auch schon zur Regel geworden. Das ist auch der Grund dafür, daß Ihnen Ihr Arzt und Apotheker immer wieder empfehlen, mit dem Rauchen endlich aufzuhören.


Rauchen und Kognitive Dissonanz Reduktion (KDR)
Quelle: http://www.psychologie.uni-oldenburg.de/
Abbildung durch Anklicken vergrößern!

Aus dem Widerspruch zwischen diesen einander genau entgegengesetzten Wahrnehmungen und Gedanken über das Rauchen (Kognitionen) entsteht ein innerer Konflikt, ein Missklang (Dissonanz), der unangenehme Gefühle verursacht. In dieser Situation gibt es nun mehrere Möglichkeiten für Sie:

Am Besten wäre es natürlich, mit dem Rauchen aufzuhören, also das eigene Handeln zu verändern und damit den Konflikt der entgegengesetzten Wahrnehmungen und Gedanken (Kognitive Dissonanz) aufzulösen. Doch dagegen stehen die oft allzu lieb gewonnenen Gewohnheiten, wie etwa die verdauungsfördernde Zigarette nach dem Essen in gemütlicher Runde. Also wird oft weitergeraucht und versucht, den inneren Konflikt, die Kognitive Dissonanz, auf verschiedene andere Weisen abzumildern:

Die Informationen über die Gefährlichkeit des Rauchens werden entweder relativiert, Ihre diesbezügliche Kognition also verändert („Es ist ja noch nichts eindeutig bewiesen“, „Auch Nichtraucher bekommen immer wieder Lungenkrebs.“ usw.) oder aus Ihrem Bewusstsein verbannt (Verdrängung) oder aber positive, wohlklingende Gedanken (Konsonante Kognitionen) über das Rauchen werden hinzugefügt („ Rauchen ist gut für meine Nerven...“ „Wenn ich mit dem Rauchen aufhöre, werde ich zu dick.“ „Mein Großvater hat immer geraucht und ist trotzdem 90 Jahre alt geworden.“). Das Denken und Fühlen wird damit dem Weiterrauchen, also dem tatsächlichen Handeln angepasst.

Kognitive Dissonanz Reduktion (KDR)
Leon Festinger (* 8. Mai 1919 in New York City; † 11. Februar 1989), ein amerikanischer Sozialpsychologe und Sohn russischer Einwanderer entwickelte in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Kognitiven Dissonanz. Danach tritt eine Kognitive Dissonanz ("Missklang") auf, wenn zwei oder mehrere Kognitionen (K) einer Person einander widersprechen. Kognitionen sind innere (seelische) Vorgänge einer Person wie Gedanken, Meinungen, Wünsche und Einstellungen, aber auch (logische) Schlußfolgerungen. Die Kognitive Dissonanz (KD) erzeugt eine innere Spannung, die unangenehme Gefühle verursacht und deshalb nach Auflösung verlangt (Kognitive Dissonanz Reduktion KDR).
Die Kognitive Dissonanz Reduktion gelingt entweder, indem die schwächeren Kognitionen geändert oder verdrängt werden, oder aber indem neue konsonante ("wohlklingende") Kognitionen hinzukommen.

Schwache Kognitionen haben nur wenige oder gar keine konsonanten Beziehungen zu anderen Kognitionen, wohingegen starke Kognitionen in einem stabilen konsonanten Beziehungsgeflecht stehen. Vollendete Handlungen sind immer mit starken Kognitionen verbunden, insbesondere dann, wenn sich diese Handlungen nicht mehr rückgängig machen lassen.

Leon Festinger konnte die Kognitive Dissonanz Reduktion in eindrucksvollen Experimenten immer wieder beweisen.


Leon Festinger (1919-1989)

In einem klassischen Experiment von Festinger und Carlsmith (1959) mussten die Versuchspersonen monotone, langweilige und sinnlos erscheinende Tätigkeiten ausüben. (Schrauben in ein Brett drehen und um 90° drehen, Schrauben wieder aus dem Brett herausdrehen usw.).Die Versuchspersonen bewerteten ihre Tätigkeiten natürlich sehr negativ. Nach einer längeren „Arbeitszeit“ war das Experiment (scheinbar) vorüber, und die Versuchspersonen durften gehen. Später wurden sie aber, als „ehemalige“ Teilnehmer des Experiments um den Gefallen gebeten, „neue“ Teilnehmer zu gewinnen und davon zu überzeugen, daß das Experiment nicht langweilig, sondern sehr interessant sei. Einige der „Ehemaligen“ bekamen 20 $ für diesen Gefallen, andere nur 1 $ und ein weiterer Teil, die Kontrollgruppe wurde erst gar nicht darum gebeten. Nach ihrer Überzeugungsarbeit, die ihnen ja eine Lüge abverlangte, wurden die „Ehemaligen“ gebeten, ihre Schrauben-Dreh-Tätigkeit noch einmal rückwirkend neu zu bewerten. Diejenigen, die nur 1 $ bekommen hatten, schätzten diese nun deutlich positiver ein als zuvor und positiver als diejenigen, die 20 $ bekamen, oder zur Kontrollgruppe gehörten.

Festinger und Carlsmith erkannten eine Kognitive Dissonanz bei den „Ehemaligen“, da diese den „Neuen“ eine Tätigkeit als interessant anpreisen sollten, die sie selber in Wirklichkeit als sehr langweilig empfunden hatten. Die „Ehemaligen“, die 20 $ für ihre Lüge bekamen, sahen darin eine ausreichende (finanzielle) Rechtfertigung. Ihre Kognitive Dissonanz war somit ausgeglichen.
Die „Ehemaligen“ aber, die nur 1 $ erhielten, änderten ihre eigenen Ansichten über die zunächst von ihnen als langweilig angesehene Schrauben-Dreh-Tätigkeit. Da sie für ihre Lügen gegenüber den „Neuen“ keine ausreichende (finanzielle) Rechtfertigung gehabt hatten, blieb ihre Kognitive Dissonanz offensichtlich bestehen und führte dann zur Einstellungsänderung. Laut Festinger und Carlsmith halten viele Menschen eher eine zunächst offensichtliche Lüge nach einiger Zeit für wahr, als ohne ausreichende Rechtfertigung bewusst zu lügen, falls sie denn mit Nachdruck dazu aufgefordert werden!

Kognitive Dissonanz Reduktion (KDR) ist weit verbreitet, und bei genauem Hinsehen findet man sie auch, sei es in Politik, Religion, Wissenschaft und Wirtschaft!


Freud und die Verdrängung
Sigmund Freud (* 6. Mai 1856 in Freiberg (Mähren); † 23. September 1939 in London), der Begründer der Psychoanalyse beschäftigte sich ebenfalls mit inneren Konflikten und entdeckte dabei die Verdrängung, ein Vorgang der der Kognitiven Dissonanz Reduktion (KDR) verblüffend ähnelt. Nach Sigmund Freud werden unangenehme Gedanken, Erinnerungen und Gefühle, aber auch verbotene Wünsche häufig verdrängt und dadurch unbewusst.
Im Verhalten und in den Träumen werden die verdrängten Inhalte aber wieder erkennbar, oft ohne daß dies den betroffenen Personen überhaupt bewusst wird.


Sigmund Freud (1856-1939)

Ins Bewusstsein zurückholen lassen sich die verdrängten Inhalte durch eine Psychoanalyse mit Hilfe der freien Assoziation. Dabei soll die zu analysierende Person (Analysand) ihren Einfällen (Assoziationen) zu Personen, Ereignissen, Dingen oder Trauminhalten völlig freien Lauf lassen, ohne ihre diesbezüglichen Äußerungen zu zensieren, auch wenn diese spontanen Einfälle ihr als unangenehm, unsinnig oder unwichtig erscheinen.

Die amerikanischen Psychologen Michael C. Anderson und Collin Green (University of Oregon) konnten den Vorgang der Verdrängung schon vor einiger Zeit experimentell nachweisen:

Die Versuchspersonen wurden aufgefordert Wortpaare auswendig zu lernen, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen, wie zum Beispiel "Fisch" und "Prüfung". Wurde das eine Wort des Paares genannt, sollte das andere erinnert werden. Danach sollten die Versuchspersonen vermeiden, überhaupt an den anderen Begriff zu denken. Später wurden sie dann aufgefordert, das vollständige Wortpaar wieder zu erinnern. Dabei zeigte sich, dass bewusstes Verdrängen funktioniert: Die Worte, an die sich die Versuchspersonen nicht erinnern sollten, waren tatsächlich nicht mehr erinnerbar, auch wenn für die richtige Antwort Geld geboten wurde. "Menschen können tatsächlich Erinnerungen aus ihrem Bewusstsein drängen und sie so vergessen", meint Anderson. Mit Hilfe bildgebender Verfahren fanden die Wissenschaftler heraus, dass dabei die gleichen Hirnregionen beteiligt sind, die auch beim Abbruch von Körperbewegungen aktiviert sind.


Mit Hilfe eines fMRI-Scans (fMRI=funktionelle Magnetresonanztomographie) konnte auch die Areale lokalisiert werden, die zu diesem "Vergessen auf Ansage" geführt haben: Nach Angaben der Forscher handelt es sich um die gleichen Regionen im präfrontalen Cortex, die auch für den Abbruch körperlicher Aktivität verantwortlich sind. Quelle: "Suppressing Unwanted Memories by Executive Control" in "Nature" (Bd. 410, S. 366, Ausgabe vom 15. März 2001)

Dabei wird die Gehirnaktivität im Hippocampus verringert, einem Bereich, der auch für Erinnerungsvorgänge von entscheidender Bedeutung ist.
Anderson vergleicht die Fähigkeit zur Verdrängung mit der Kontrolle über körperliche Bewegungen: Wenn man etwa aus dem Augenwinkel sieht, „wie eine Pflanze von einem Fenstersims fällt und versucht diese gedankenschnell aufzufangen - und im letzten Moment merkt, dass es sich um einen Kaktus handelt, den man besser fallen lässt" - dies sei ähnlich der absichtlichen Leistung des Vergessens, die er experimentell untersucht hat. Ein Maß für die Stärke des Vergessens wollen Anderson und sein Team ebenfalls gefunden haben:
Es soll in der Stärke der Aktivität eines Teils der Großhirnrinde auf der Stirnseite (präfrontaler Cortex) bestehen, wenn versucht wird Erinnerungen zu unterdrücken.

Jens Christian Heuer

Quellen: "Theorie der kognitiven Dissonanz" von Leon Festinger,1978
"Neural Systems Underlying the Suppression of Unwanted Memories" in "Science" (Bd. 303, S. 232, Ausgabe vom 9. 1. 04)
Wikipedia

Samstag, Dezember 15, 2007

Psychologie

Triebe machen Träume

In der Traumforschung herrscht Tumult, und Schuld daran hat Mark Solms. Der Londoner Neuropsychologe hat nachgewiesen, dass an der jahrzehntelang heruntergebeteten Formel „Traumschlaf gleich REM-Schlaf“ etwas faul sein muss. Nun schickt sich der Hirnforscher an, die lange Zeit als widerlegt angesehene Traumlehre Sigmund Freuds zu rehabilitieren.

PSYCHOLOGIE HEUTE
Dr. Solms, warum träumen wir?

MARK SOLMS
Das ist noch immer ein großes Geheimnis. Ich fürchte, auch 100 Jahre nach Freuds Buch Traumdeutung und beinahe 50 Jahre nach der Entdeckung des REM-Schlafes haben wir noch keine überzeugende Antwort auf die Frage, warum wir träumen. Aber wir haben erste Antworten auf die Frage, wie wir träumen. Und diese neuen Forschungen über das Wie werden uns hoffentlich auch bald Einblicke in das Warum geben.



Mark Solms (Neuropsychoanylytiker)


PSYCHOLOGIE HEUTE
Sigmund Freud glaubte vor 100 Jahren, Antworten auf das Warum gefunden zu haben. Seiner Theorie nach dienen Träume der Erfüllung unterdrückter Wünsche, meist sexueller Natur. Aber ein halbes Jahrhundert später stellte die Forschung fest, dass wir nicht die ganze Nacht hindurch, sondern vor allem in ganz bestimmten Phasen des Schlafes träumen, den so genannten REM-Phasen. Diese Phasen, so stellte sich heraus, wiederholen sich in einem monotonen Rhythmus von etwa 90 Minuten und werden vom Hirnstamm, einer sehr primitiven Region, ausgelöst: Alle 90 Minuten schickt der Hirnstamm eine blinde Aktivierungssalve ans Großhirn hinauf. Träume, so schien es, sind nichts als die subjektive Seite dieser nächtlichen Mobilmachung; das Gehirn versucht, sich einen Reim darauf zu machen und „übersetzt“ das Zufallsgeknatter seiner Nervenzellen in Bilder und Szenen, die nichts, aber auch gar nichts zu „bedeuten“ haben. War Freuds Traumlehre damit tot?

MARK SOLMS
Es schien so. Einige Psychoanalytiker machten Rettungsversuche, indem sie etwa argumentierten, dass die „aufsteigende“ REM-Erregung doch womöglich dem instinkthaften Trieb in Freuds Theorie entsprechen könnte. Aber dieses Argument war schwach, denn jene Region des Hirnstamms, in der der REM-Schlaf ausgelöst wird, hat nach allem, was wir wissen, nicht das Geringste mit Wünschen, Trieben oder instinkthaftem Drang zu tun. Im Gegenteil: Acetylcholin, der Hirnbotenstoff, der in dieser Region ausgeschüttet wird, macht das Großhirn nicht „triebhafter“, sondern eher rationaler, kälter und fokussierter. Als die physiologischen Mechanismen, die dem REM-Schlaf zugrunde liegen, in den sechziger und siebziger Jahren nach und nach entschlüsselt wurden, sah es in der Tat sehr düster aus für Freuds Traumtheorie.

PSYCHOLOGIE HEUTE
Und jetzt hat sich das Blatt gewendet?

MARK SOLMS
Ja, und zwar dramatisch. Es begann damit, dass Probleme mit der REM-Theorie des Traums auftauchten. Man stellte fest, dass Menschen nicht ausschließlich während ihrer REM-Phasen, sondern auch in den anderen Stadien des Schlafs träumen. 20 bis 25 Prozent der Träume ereignen sich außerhalb des REM-Schlafs. Zunächst versuchten die Forscher, diese Non-REM-Träume wegzudeuten. Sie sagten, dies seien in Wirklichkeit Träume der letzten REM-Phase, an die sich die Versuchspersonen im anschließenden Schlafstadium noch erinnern. Dieses Argument erwies sich jedoch als unhaltbar. Traumberichte erhält man nämlich auch dann, wenn man Versuchspersonen unmittelbar nach dem Einschlafen weckt – also vor der ersten REM-Phase. Es besteht heute kein Zweifel mehr daran, dass wir auch außerhalb des REM-Schlafs jede Menge echter Träume erleben. Es kann also nicht stimmen, dass REM die physiologische Basis des Träumens darstellt.Die überzeugendsten Belege gegen die REM-Theorie des Träumens liefern jetzt neurologische Befunde: Werden bei einem Menschen – zum Beispiel durch einen Schlaganfall – jene Teile des Gehirns zerstört, die den REM-Schlaf auslösen, so führt dies eben nicht zu einem Verlust des Traumerlebens. Die Betreffenden haben keinen REM-Schlaf mehr, aber sie haben weiterhin Träume. Werden hingegen bestimmte andere Regionen des Gehirns zerstört, die nichts mit dem REM-Schlaf zu tun haben, so verliert der Patient die Fähigkeit zu träumen. Bei diesen Patienten bleiben trotz des Traumverlustes die REM-Schlafphasen intakt. REM-Schlaf ist folglich nicht gleichbedeutend mit Traumschlaf.


Sigmund Freud (1856-1939)

PSYCHOLOGIE HEUTE
REM ist also nicht der Schalter, der in unserem Hirn die Träume anknipst?

MARK SOLMS
Doch, ein Schalter schon, ein Schalter. REM ist der bekannteste von mehreren Auslösern, aber eben nicht die physiologische Basis des Träumens. Das ist ein gewaltiger Unterschied. REM könnte ein Mechanismus sein, der das Traumgeschehen anstößt – aber man kann auch ohne diesen REM-Anstoß träumen.

PSYCHOLOGIE HEUTE
Sie haben nun auch andere Hirnregionen entdeckt, die entscheidend zum Träumen beitragen.

MARK SOLMS
Mehr noch: Die beiden Hirnareale, die wir nun im Blick haben, tragen nicht nur zum Träumen bei, sondern sie machen die Träume; in diesen Regionen beobachten wir das treibende physiologische Geschehen, das dem Träumen zugrunde liegt. Beide Regionen liegen nicht in „primitiven“, sondern in „höheren“ Regionen des Gehirns.Das erste Traumareal befindet sich knapp über den Ohren, im Übergangsbereich zwischen dem Scheitel-, Schläfen- und Hinterhauptslappen des Gehirns. Dieser Bezirk hat mit Raumwahrnehmung und räumlichem Vorstellungsvermögen zu tun – was nicht sehr überraschend ist, denn wie wir alle wissen, sind Träume ja aus räumlichen Vorstellungsbildern zusammengesetzt.Das zweite Traumareal des Gehirns ist da schon interessanter. Es handelt sich um den so genannten ventromesialen Bereich des Frontalhirns, direkt hinter den Augen gelegen. Hier, in der „weißen Substanz“ des Gehirns, verlaufen die Leitungsbahnen jener Nervenzellen, die unmittelbar mit dem Träumen zu tun haben müssen. Wenn man deren Aktivität chemisch stimuliert (indem man L-Dopa verabreicht, einen Vorläufer des Hirnbotenstoffes Dopamin, die Redaktion), steigt die Häufigkeit und Intensität von Träumen. Nun weiß man aus der Hirnforschung, dass dieser Bereich des Frontalhirns mit einer spezifischen Form von Motivation zu tun hat. Man bezeichnet dieses Areal als das Such-, Erwartungs- oder Bedürfnissystem des Gehirns. In Tierexperimenten hat man festgestellt, dass dieses System Lebewesen veranlasst, in ihrer Umwelt nach einem Objekt zu suchen, das ihre momentanen Bedürfnisse befriedigt. Dieses System ist zum Beispiel aktiv, wenn ein Süchtiger verzweifelt nach einer Zigarette, einem Schluck Alkohol oder einem Schuss Ausschau hält. Es steuert unser Verhalten, wenn wir hungrig, durstig oder sexuell erregt sind, also wenn wir etwas brauchen, nach dem wir in der Welt Ausschau halten. Und genau dieses Motivationssystem ist auch während unserer Träume aktiv.

PSYCHOLOGIE HEUTE
Was passiert mit Hirnverletzten, bei denen dieses Motivationssystem ausgefallen ist?

MARK SOLMS
Sie entwickeln ein Syndrom namens adynamia, eine massive Antriebslosigkeit. Alle Patienten, die ihre Traumfähigkeit verloren haben, leiden an diesem Syndrom. Diese Menschen sind zwar fähig, alles auszuführen, was man ihnen aufträgt. Wenn man den Patienten also bittet: „Mister Jones, würden Sie bitte eine Kanne Tee kochen“, dann steht er auf und macht Tee. Aber von sich aus tut er nichts, er sitzt bewegungslos auf seinem Platz.

PSYCHOLOGIE HEUTE
Ein Verlust der Träume scheint also mit einem Verlust von Antrieb gekoppelt zu sein. Ist jene Region im Stirnhirn, in der Sie den Traumgenerator vermuten, demnach der Hort jenes Triebes, den Freud „Libido“ nannte?

MARK SOLMS
Nun, zumindest widersprechen die genannten neuropsychologischen Befunde nicht Freuds Theorie, sondern sie sind kompatibel mit ihr. Ich glaube zwar nicht, dass alles, was Freud unter Libido verstanden hat, auf dieses Hirnareal zurückzuführen ist. Viele andere Teile des Gehirns haben ebenfalls mit der Suche nach Lust, sexueller Stimulation und Ähnlichem zu tun, hinzu kommen Hormon- und Peptidsysteme. Das Motivationssystem des Frontalhirns könnte einen sehr spezifischen Teil von Freuds Libido repräsentieren, nämlich die Suche nach einem Objekt zur Triebabfuhr. Dieses System umfasst nicht den Drang oder Trieb selbst, sondern den Suchmechanismus, der zur Befriedigung dieses Triebes aktiviert wird. Zum Beispiel kanalisiert dieses System den Jagdtrieb hungriger Raubtiere, indem die Umwelt nach potenzieller Beute abgetastet wird.

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Hinter der Stirn sitzt also eine Art Dirigent der Libido?

MARK SOLMS
So könnte man es sehen. Einen solchen Mechanismus beschrieb Freud bereits 1895 in seinem Entwurf einer Psychologie. Dort führte er den Begriff „spezifische Aktion“ ein: Menschen und andere Lebewesen müssen im Lauf ihrer Entwicklung lernen, in der Umwelt ganz bestimmte Objekte ausfindig zu machen, die in der Lage sind, ihre Triebe zu befriedigen. Die Triebe selbst sind unspezifisch. (Freud beschrieb in diesem frühen, stark neurophysiologisch inspirierten Aufsatz die „spezifische Aktion“ als eine aktive Form der Erregungsabfuhr – um seine Erregung loszuwerden, muss der Mensch handeln und in der Umwelt bestimmte Bedingungen suchen oder schaffen: „Reizaufhebung ist hier nur möglich durch einen Eingriff, … und dieser Eingriff erfordert eine Veränderung in der Außenwelt -Nahrungszufuhr, Nähe des Sexualobjektes-, welche als spezifische Aktion nur auf bestimmten Wegen erfolgen kann. Der menschliche Organismus ist zunächst unfähig, die spezifische Aktion herbeizuführen. Sie erfolgt durch fremde Hilfe, indem … ein erfahrenes Individuum auf den Zustand des Kindes aufmerksam gemacht wird. Diese Abfuhrbahn gewinnt so die höchst wichtige Sekundärfunktion der Verständigung, und die anfängliche Hilflosigkeit eines Menschen ist die Urquelle aller moralischen Motive.“ – die Redaktion)

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Allan Hobson, der bekannteste Urheber der Theorie vom Traum als subjektives Zufallsprodukt des REM-Schlafs, gesteht ein, dass diese Theorie korrigiert und erweitert werden muss. Er stimmt zu, dass die jüngsten Forschungsarbeiten von Ihnen und anderen Wissenschaftlern in der Tat zeigen, dass beim Träumen auch höhere Gehirnregionen eine wichtige Rolle spielen, die mit der Verarbeitung von Motiven zu tun haben. Aber das, meint Hobson, heiße noch lange nicht, dass nun Freuds Lehre bestätigt sei, wonach Träumen dem symbolischen Erfüllen von Wünschen und Bedürfnissen diene. Denn „Motivation“ sei doch wohl ein komplexerer Vorgang als „Wunscherfüllung“.

MARK SOLMS
Er hat Recht, wenn er sagt: Die neuen Forschungsarbeiten beweisen nicht, dass Freud richtig lag. Sie können auch auf andere Weise und mit anderen Theorien interpretiert werden. Hobson hat auch Recht, dass Freuds „Wunscherfüllung“ nicht der einzige Typ von Motivation ist. Hobson spekuliert nun seinerseits, dass Träumen vielleicht dem Austesten von Instinktmechanismen dient; es sei biologisch sinnnvoll für Organismen, diese Instinktmechanismen durch nächtliche Probeläufe funktionsfähig zu halten. Das könnte stimmen. Aber es könnte auch stimmen, dass Freud Recht hatte, denn die neuen Befunde „passen“ in seine Theorie. In den fünfziger und sechziger Jahren, als die damaligen Ergebnisse der Traumforschung Freuds Theorie zu widersprechen schienen, riefen viele Forscher: „Freud ist widerlegt.“ Nun, da die Forschungsergebnisse in Einklang mit Freud stehen, sagen dieselben Forscher: „Warum sollten wir dies ausgerechnet mit Freuds 100 Jahre alter Theorie erklären?“ Freuds Theorie wird also nur dann hervorgezogen, wenn die Fakten gegen sie sprechen. Wäre es nicht fair, stattdessen zu sagen: „Wir hatten uns damals geirrt, und Freud ist nicht widerlegt“? Die Forschung muss sich nun daranmachen, die unterschiedlichen Hypothesen zur Funktion des Träumens – darunter auch jene von Freud – zu überprüfen, um zu sehen, welche der Wahrheit am nächsten kommt.

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Eine dieser Hypothesen hat es zu einiger Popularität gebracht. Sie besagt, dass Träume dem Festigen von Gedächtnisspuren dienen könnten: Die Erlebnisse des Tages würden im Traum rekapituliert, und das Erinnernswerte werde ins Langzeitgedächtnis überführt, während Belangloses gelöscht werde.

MARK SOLMS
Diese Theorie hat zurzeit einen schweren Stand, denn sie stützt sich auf die Annahme, dass Traumschlaf gleich REM-Schlaf sei. Die Forscher hinderten Versuchspersonen oder -tiere daran, in den REM-Schlaf zu fallen, und stellten danach bestimmte Gedächtnisausfälle fest. Aber nun zeigt sich eben, dass REM-Schlaf nicht gleichbedeutend mit Traumschlaf ist. Sicher: Die REM-Phasen müssen eine bedeutende Funktion für den Organismus haben, die wir noch nicht kennen – aber wir wissen nun, dass REM-Schlaf und Träumen unterschiedliche Funktionen haben. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Träumen die Funktion hat, Gedächtnisspuren zu festigen. Patienten, die ihre Traumfähigkeit verloren haben, zeigen nämlich völlig ungestörte Gedächtnisleistungen. Ihr Gedächtnis ist nicht schlechter als das von Personen, die nachts normal träumen.

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Es wäre aber doch möglich, dass nachts tatsächlich Gedächtnisspuren gefestigt werden – zwar nicht in den Träumen, aber doch im REM-Schlaf.

MARK SOLMS
Das wäre zwar denkbar, aber auch dies wird neuerdings von Forschern bezweifelt.

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Was würde Freud wohl sagen, wenn er von den Aufsehen erregenden neuen Erkenntnissen der neuropsychologischen Traumforschung hörte?

MARK SOLMS
Freud war durchaus interessiert an Hirnforschung, und er hütete sich, seinen Kollegen etwa zu raten: „Studiert nicht das Gehirn, studiert die Psyche!“ Doch zu Freuds Lebzeiten waren die Methoden der Hirnforschung noch nicht sehr fortgeschritten – man konnte damals tatsächlich nur sehr wenig über die Psyche erfahren, indem man das Gehirn studierte. Dies hat sich durch die neuen bildgebenden Verfahren gründlich geändert, mit denen man präzise am lebenden Menschen beobachten kann, was im Gehirn vor sich geht und welche Strukturen bei einem Patienten verletzt sind.Ich glaube, Freud würde die neuen Ergebnisse der Neurowissenschaften mit offenen Armen empfangen. Freud war zwar skeptisch, was die Möglichkeiten der Hirnforschung seiner Zeit anging. Aber er sagte voraus, dass eine Zeit kommen werde, in der die Psyche auch aus der Perspektive der Neurowissenschaften Erfolg versprechend untersucht werden könne und müsse.

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Vielen der heutigen Psychoanalytiker scheint die Hirnforschung aber nicht recht geheuer zu sein. Sie sagen, die Psyche sei zu kompliziert, als dass sie sich mit solchen „reduktionistischen“ Methoden untersuchen ließe.

MARK SOLMS
Jede Methode hat ihre Grenzen. Es gibt viele Fragen, die sich mit PET-Aufnahmen des Gehirns am besten beantworten lassen, und bei anderen Fragen sind andere Zugangswege vielversprechender. Auch die psychoanalytische Methode hat neben ihren Stärken enorme Schwachstellen. Wenn wir in der Traumforschung – und in der Psychologie insgesamt – Fortschritte machen wollen, dann müssen wir alle verfügbaren Methoden zurate ziehen.

Mit Mark Solms sprach Thomas Saum-Aldehoff.

Mark Solms, Jahrgang 1961, ist Neuropsychologe und Psychoanalytiker und arbeitet an der St. Bartholomew’s & Royal London School of Medicine. Dort analysierte er unter anderem Fallstudien von Hirnverletzten. Er wies nach, dass nicht der REM-Schlaf, sondern andere, „höhere“ Vorgänge im Gehirn das physiologische Geschehen bestimmen, das dem Träumen zugrunde liegt

Quelle:

Interview mit Mark Solms Psychologie Heute 03/2000, Seite 30, Rubrik: Traumforschung

(online unter http://www.psychologie-heute.de/)