In Abhängigkeit von der Ernährungs- und Lebensweise kann die Häufigkeit des Stuhlgangs sehr schwanken. Zwischen dreimal täglich und dreimal in der Woche kann der Norm entsprechen. Der Durchschnitt liegt bei einmal täglich. Erst wenn der Stuhlgang weniger als dreimal pro Woche gelingt, handelt es sich im medizinischen Sinne um eine Verstopfung. Die häufig anzutreffende Befürchtung, ein zu seltener Stuhlgang vergifte den Organismus durch so genannte Stoffwechselschlacken aus dem Darm ist unberechtigt, denn eine normal funktionierende Leber, die alle in das Blut aufgenommenen Substanzen kontrolliert, lässt das nicht zu. Blutreinigungstees, die meistens auch Abführmittel (s.u.) enthalten, machen also wenig Sinn.
Nach dem Essen gelangen die zerkauten Speisen durch die Speiseröhre zunächst in den Magen, wo dem Speisebrei Salzsäure und das eiweißspaltende Enzym Pepsin zugesetzt werden. Danach geht es weiter in den Zwölffingerdarm und dann in den eigentlichen Dünndarm, wo Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette enzymatisch aufgespalten werden und die so gewonnenen Nährstoffe in das Blut übertreten können. Der ausgelaugte Speisebrei gelangt schließlich in den Dickdarm, wo ihm das meiste Wasser entzogen wird. Der Rest wird über den After ausgeschieden (Stuhlgang).

Quelle: http://www.trennkost-regensburg.de
Der Transport des Speisebreis geschieht durch wellenförmige Zusammenziehung und Erschlaffung der Darmmuskulatur (Darmperistaltik) und wird durch das vegetative Nervensystem über Reflexe gesteuert, die durch eine Dehnung der Darmwand bei guter Füllung ausgelöst wird.
Die Darmtätigkeit wird demzufolge durch eine Nahrung gefördert, die ausreichend viele Ballaststoffe –das sind schwerverdauliche Pflanzenfasern aus Zellulose- enthält, um den Darm soweit zu füllen, daß Transport-Reflexe zuverlässig ausgelöst werden. Die Ballaststoffe können außerdem durch Quellung Wasser binden und so eine zu weitgehende Eindickung und Verhärtung des Stuhls im Dickdarm verhindern. Deshalb ist es so wichtig genug zu trinken, denn so kann schon sehr häufig einer Verstopfung vorgebeugt werden.
Eine erste Gruppe von Abführmitteln sind die Quell- und Füllmittel, bei denen es sich um pflanzliche Ballaststoffe handelt, die unverdaulich sind, den gesamten Darm durchwandern und größere Mengen Wasser an sich binden und im Darm zurückhalten. Dabei quellen sie auf und lösen Transport-Reflexe aus. Zu den Quell- und Füllmitteln gehören beispielsweise Weizenkleie, Leinsamen, Flohsamen und Carboxymethylcellulose (CMC). Bei der Einnahme dieser Mittel muß unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, da sich ansonsten ein zäher Klumpen bilden kann, der den Darm verstopft. Im Extremfall droht sogar ein lebensbedrohlicher Darmverschluß !
Bestimmte Salze wie Natriumsulfat (Glaubersalz) und Magnesiumsulfat (Bittersalz) wirken ebenfalls abführend, wenn sie in reichlich Wasser gelöst getrunken werden. Das Sulfat wird nicht durch die Darmwand in das Blut aufgenommen (resorbiert) und bleibt zusammen mit seinem Lösungswasser im Darm zurück und erhöhen dort das Füllvolumen, was wiederum die schon bekannten Transport-Reflexe auslöst. Wenn im Darm nicht genug Wasser vorhanden ist, wird durch das Sulfat zusätzliches Wasser aus dem Blut in den Darm gezogen (Osmose). Man spricht deshalb auch von osmotisch wirksamen Abführmitteln. Mannit, Sorbit und Lactulose gehören ebenfalls in diese Gruppe.
Eine zweite Gruppe von Abführmitteln wirkt über eine Reizung der Darmschleimhaut. Diese Reizung löst einen Reflex aus, der Darmbewegungen auslöst oder zumindest verstärkt und führt zu einem erhöhten Wasserübertritt in den Darm, bei deutlich verringerter Resorption von Wasser aus dem Darm. Bei längerfristiger Anwendung kommt es aber zu deutlichen Verlusten an Natrium und Kalium. Kaliummangel verringert aber wiederum die Erregbarkeit der Darmmuskulatur, so daß entsprechend mehr von dem Abführmittel gebraucht wird. Ein Teufelskreis kann beginnen und zu einem Abführmittelmissbrauch führen.
Das sehr unangenehm schmeckende Rizinusöl wirkt schon im Dünndarm, während die anderen Abführmittel dieser Gruppe ihre Wirkung erst im Dickdarm entfalten. Dazu gehören die Anthrachinone, die beispielsweise in Sennesblättern enthalten sind und synthetische Stoffe wie Bisacodyl (Dulcolax ®) und Natriumpicosulfat (Laxoberal®). Alle diese Stoffe unterliegen einem ausgeprägten so genannten enterohepatischen Kreislauf zwischen Darm und Leber.

Der Wirkstoff wird aus dem Darm resorbiert und gelangt (über die Pfortader) in die Leber. Dort wird der Wirkstoff durch Enzyme chemisch verändert (oxidiert), wobei er etwas wasserlöslicher wird und eine zusätzliche Bindungsstelle entsteht. Anschließend wird er konjugiert, d.h. an ein wirklich sehr gut wasserlösliches Molekül gekoppelt. Dadurch ist eine Ausscheidung über die Nieren möglich. Ein großer Teil des Wirkstoffes gelangt jedoch zurück in den Darm, wird wieder entkoppelt und in seine ursprüngliche Form zurückverwandelt (reduziert), wobei die zusätzliche Bindungsstelle wieder beseitigt wird.Das wird auf enzymatischem Wege durch die Darmbakterien bewerkstelligt. Damit ist der Kreislauf geschlossen. Ein ausgeprägter enterohepatischer Kreislauf verzögert die Ausscheidung des Wirkstoffes und verlängert damit dessen Wirkdauer (liver=Leber, kidney=Niere, GIT=Magen-Darm-Trakt, biliary secretion=Sekretion von Gallenflüssigkit, renakl excretion=Ausscheidung über die Nieren, ingestion=Nahrungsaufnahme)
Quelle: http://www.uwgi.org/gut/liver_05.asp
Schließlich gibt es noch eine dritte Gruppe von Abführmitteln, die zu harten Stuhl aufweichen und seine Gleitfähigkeit im Dickdarm erhöhen. Genannt werden sollen hier Docusat-Natrium (Norgalax®) und Paraffinöl. Die langandauernde Einnahme von Paraffinöl ist allerdings sehr problematisch, da die Resorption fettlöslicher Vitamine im Darm verhindert wird. Betroffen sind die Vitamine A (Sehfarbstoff Retinol), D3 (Colecalciferol für den Knochenauffbau) und K1 (Phytomenadion für die Blutgerinnung).
Wer gesund ist und genügend Ballaststoffe in Form von Gemüse, Obst und Getreideprodukten aufnimmt und zudem noch ausreichend trinkt, benötigt im Allgemeinen keine Abführmittel !
Jens Christian Heuer
Quellen:
Taschenatlas der Pharmakologie, Heinz Lüllmann u. Klaus Mohr
Arzneimittelwirkungen, Ernst Mutschler u.a.
Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Verdauung )

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